Wilma, das schwarze Zigeunermädchen

Name Wilma Keck
Spitznamen Wilmili, Zigeunermädchen, Müülili, Rotzkröt, Luder
Rasse Italienischer Faltendackel, auch amtlich Mastino Napoletano genannt
Geburtstag 02.01.1996
+++ Todestag +++ 31.07.2002, 16 Uhr
Werdegang Von Ungarn nach Bayern, zum Ammerreuther Zwinger. Von dort an eine Familie mit Kindern. Wurde beschlagnahmt im Alter von 6 Monaten. Kam dann ins TH
03.02.97 Umzug nach Unterfranken
Qualifikationen Wesenstest, AB-Hundeführerschein, Postboten-Trainerin, Kinder-Trainerin
Besondere Auszeichnungen Rekord im unterfränkischer Dauer-Schuh- und Dauer-Deckentragen
Besondere Eigenschaften wachsam, kündigt Besuch durch energisches Bellen an (die anderen schnarchen derweil weiter)
Wohnort Unterfranken, Rest bleibt geheim
Mitbewohner Trudi, Hugo, Katharina, Rita und Alfred
(ach so, auch eine Meerschweinchenbande und die Landschildkröten Trixi)
Eltern unbekannt, stammen aber aus Ungarn
Geschwister unbekannt
Wilma's Geschichte

(Zum Vergrößern Bilder anklicken)

Dieses Foto stammt aus TH-Zeiten. Deutlich sind schon die verkrüppelten Hinterbeinchen zu sehen.
Da hatte Wilma noch Privilegien...
...
...
Wilma beim Diebstahl
Warum sagt ihr denn keiner, daß sie die Schuhe nicht hochkant tragen muß...
Wilma, ca. 2 Wochen vor Ihrem Tod. Sie liebte weiblichen Besuch und vor allem Christine ... und ihre Pizza!!
... Menschen sind gemein. So ein kleines Appetithäppchen kriegt man, aber dann guckt man in die Röhre....
... Vielleicht bringt "lieb gucken" was....
... oder "ankuscheln" ....
...oder "belagern" ....
...na ja, schmusen ist doch schon mal besser, als gar nix
...aber ich hab doch soooo einen Hunger ....
.... ich bin schon ganz kraftlos .....

Wilma kam am 03.02.97 zu Frauchen. Frauchen suchte zu dem 11jährigen Baldo eine ruhige ältere Hündin. Zu der Zeit gab es im Tierschutz aber nur junge Hunde. Von Wilma hörte sie durch Zufall. Weil der TH-Leiter von einem seltsamen Gangwerk redete, wollte sie sich den Hund nur anschauen. Das war im TH Hof. Sie war erst 1 Jahr und eigentlich viel zu jung. Zwei Freundinnen von Frauchen gingen mit. Wilma zog Frauchen gleich in ihren Bann. Sie war so ängstlich, daß sie sich nicht anfassen ließ. Zu der Betreuerin, ein 16jähriges Mädchen war sie dagegen voller Vertrauen. Wilma lief auf dem Spaziergang frei und tobte im Schnee. Aber sie kam nie näher als 10 m an Frauchen und die beiden anderen fremden Personen ran. Sie zeigte sich dabei aber richtig näckisch, nach dem Motto: "Ihr kriegt mich nicht, ätsch-bätsch". Wilma's Hinterhand war völlig verkrüppelt. Sie hatte offensichtlich schwerste Knochendefekte. Sie lief und rannte trotzdem wie ein Wiesel. Baldo, der alte Knochen, interessierte sich gar nicht für Wilma. Statt dessen hatte er nichts besseres zu tun, als hinter einer 11jährigen läufigen Boxerhündin herzutappen und ihr mit ihr zu flirten.

Die Vorgeschichte: Wilma stammte von dem Händler von Ammerreuth. Sie kam als Baby aus Ungarn und wurde mit Papieren einer Katze nach Deutschland gebracht (kein Witz, denen waren die Papiere für Hunde ausgegangen). Die Familie, die sie dort für ca. 1.500 DM kaufte, schien isoliert zu wohnen und zumindest ein Familienmitglied muß sie mißhandelt haben. Im Alter von 6 Monaten wurde sie beschlagnahmt, weil die Besitzer mit einem gestohlenen Auto unterwegs waren. Sie wollten Wilma dann auch nicht mehr haben, als sie aus der U-Haft entlassen wurden.

Frauchen fuhr ohne Wilma wieder heim. Doch Frauchen hatte sich verliebt. Täglich mußte sie an dieses goldige Wesen denken. Nach 1 Woche hatte sie ihre Eltern "weichgekocht" und Wilma wurde geholt. Wilma hatte panische Angst, draußen. Kaum war sie im Haus, wurde sie rotzfrech. Im Laufe der nächsten Jahre wurde sie auch draußen frech gegenüber Hunden und viel sicherer. Menschen gegenüber ist sie ängstlich, wenn sie in Gruppen auftreten oder sich seltsam verhalten. Im Haus ist sie dominant und mir gegenüber teilweise unausstehlich. Anfangs war ja Wilma immer Frauchens Liebling, halt eine sog. große Liebe. Aber als das freche Luder mich dann ständig verprügelte, verlor sie schnell all ihre Privilegien. Bett, Couch, alles war von da an Tabu. Sie muß immer hinter uns zur Türe raus und auf ihrer Matratze warten, während ich neben Frauchen beim Essenmachen zugucken darf.

Frauchen hat zwar mit Wilma fleißig das Kleine Hundeinmaleins trainiert, aber immer mit Abstrichen, da man ihr sagte, daß Wilma eine sehr kurze Lebenserwartung hat (1 - 2 Jahre), weil sie völlig kaputtene Hüften hat. Frauchen hat deshalb nach kurzer Zeit Goldakkupunktur machen lassen und damit lebt Wilma scheinbar recht gut. Nun schon seit Jahren. Ein Jahr nach ihrem Einzug rieß eine Fersenkappe ab. Diese ließ Frauchen in der Tierklinik der Uni München operieren, da die hiesigen Kliniken mit derart seltenen Problemen wenig Erfahrung hatten. Sie überstand alles sehr gut und hat seither keinerlei Probleme mehr mit der Ferse. Wilma hat übrigends im Herbst 2000 den Aschaffenburger Hundeführerschein gemacht (ich schon 1,5 Jahre früher und - ich war damals die Beste. Wilma dagegen bekam nur die Note "gut" - ätttschhh!!)

Wilma hat eine besondere Leidenschaft: Sie trägt gerne Gegenstände. Schuhe, Handtücher, Geldbeutel, Decken. So hat Frauchen ihr beigebracht, ihre Liegedecken immer selbst mit ins Restaurant zu tragen. Die Leute finden das alle Klasse. Keiner redet von Kampfhund, wenn er uns sieht. Alle finden Wilma's Spinnerei Klasse. Und Wilma verlor so ihre Angst vor Menschen, der Stadt und überhaupt, denn sie war stolz auf ihre Leistung!

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Mitte Juni 2002 fing Wilma rechts vorne zu Humpeln an. 6 Wochen später war sie tot. Am 31.07.02 schlief sie mit dem Kopf im Frolic-Eimer ein. Sie hatte Knochenkrebs. Viele, viele TA und Kliniken brauchten so lange, bis die Diagnose stand. Die ersten Röntgenbilder sahen unverdächtig aus, eine Athroskopie und Ultraschall ergaben nichts. Das Röntgenbild vom 9.07.02 zeigte eine leichte Veränderung. Eine Knochenbiopsie war negativ, angeblich nur eine Knochenmarkentzündung. Erst die Röntgenaufnahmen vom 26.07.02 war eindeutig. Die absolute Sicherheit brachte die Gewebeprobe von Prof. Hirschberger in München. Wilma hatte Knochenkrebs. Eine sehr aggressive Variante, die innerhalb kurzer Zeit immense zerstörerische Wirkung zeigte. Amputation und Bestrahlung wären Behandlungsmöglichkeiten gewesen, die Wilma aber nicht mehr gesund gemacht hätten. Frau Prof. Matis meinte dazu, es sei ein Sterben auf Raten. Wilma benutzte das Bein zeitweise überhaupt nicht mehr. Sämtliche Schmerzmittel versagten, auch die stärksten, die in der Humanmedizin bei der Tumorbehandlung eingesetzt werden. Nur eine Mischung aus Cortison und Rimadyl brachten ein wenig Erleichterung. Es war für Frauchen schlimm, dies alles mit zu erleben und nichts machen zu können, das Wilma wirklich half. Nach vielen, vielen Überlegungen fällte Frauchen die schwerste Entscheidung ihres Lebens. Sie mußte entscheiden, Wilma umbringen zu lassen. Sie wird nie wissen, ob es richtig war oder ob die anderen Dinge Wilma's Leben vielleicht für einige Monate hätten verlängern können. Aber Frauchen hat Baldo und Britta elendig sterben sehen, weil sie zulange gewartet hat und wollte dies Wilma auf jeden Fall ersparen. Wilma hatte den schönsten Tod, den sich ein Hund wünschen kann. Hoffentlich werde ich irgendwann auch so sterben. Hier noch weitere Anmerkungen von mir.