"Horrorwochenende" oder "Horror Myelographie"

Frauchen hat lange überlegt, mit mehreren Tierärzten und Hundebesitzern gesprochen. Letztendlich hat sie sich entschlossen, mit mir zu einem Experten in Baden Württemberg zu fahren, um dort klären zu lassen, ob durch eine Myelographie neue Erkenntnisse zu gewinnen seien, so daß mir effizienter, vielleicht mit einer OP, geholfen werden kann. Den Experten fragte Frauchen sowohl bei einem telefonischen Vorgespräch, als auch vor Ort am 19.07.02 nach Risiken und Gefahren. Es wurden keine genannt, es hieß, die Myelographie sei eine Standardmethode und wenn sie risikobehaftet wäre, könnte sie in dem Umfang nicht an einer Klinik wie seiner als Routine durchgeführt werden.

Bei dieser Untersuchung wird Kontrastmittel in die Flüssigkeit des Duralsackes (?) zwischen Rückenmark und Wirbelsäule gespritzt und dann Röntgenaufnahmen gemacht. Alles natürlich in Narkose.

Der Experte schaute sich die mitgebrachten Röntgenbilder und das CT an und war der Meinung, daß eine Myelographie sinnvoll wäre. Im nachhin betrachtet kann Frauchen das gar nicht verstehen, denn auf den CT waren deutlich mehrere Bandscheibenschäden (im Hals- und hinteren Rückenbereich) zu erkennen, so daß kaum zu erwarten war, daß eine definierte Stelle zu finden sein könnte, an der eine OP sinnvoll wäre. Der Kollege, der das CT gemacht hatte, hatte meine Probleme als inoperabel bezeichnet. Frauchen weiß heute auch nicht mehr, warum sie der Untersuchung überhaupt zugestimmt hat, vermutlich war es ein Strohhalm, an den sie sich klammerte.

Langer Rede, kurzer Sinn: Die Untersuchung brachte nichts neues: OP sinnlos, zu viele Stellen, an denen die Nerven geschädigt sind. Es war Freitagabend, ca. 18 Uhr, der Chef ging ins Wochenende. Ich schlief noch. Beim Aufwachen ging es mir richtig dreckig. Frauchen kniete stundenlang mit meinem Kopf in ihrem Schoß. Ich bekam einen epileptischen Anfall, der nur durch ein weiteres Narkosemittel unterbrochen werden konnte. Erst um ca. 22:30 Uhr konnte ich entlassen werden. Aber ich war nicht in der Lage zu laufen. Beim Aufwachen habe ich ständig gebellt und um mich gebissen (das habe ich bei keiner anderen Narkose vorher gemacht). Um Mitternacht waren wir Zuhause, doch ich konnte immer noch nicht laufen. Mit Hilfe meines Spezialgeschirrs schleifte Frauchen meine 50 kg vom Auto in die Wohnung. Frauchen lag die ganze Nacht wach, sie hatte eine böse Vorahnung. Leider bestätigte sich das am Morgen: Ich war gelähmt!! Frauchen drehte halb durch. Sie mußte bis 9 Uhr warten und rief in der Klinik an. Der Chef war nicht zu erreichen und man sagte ihr lapidar, sie solle mit mir kommen. Sehr witzig. Mit einem gelähmten Hund die Strecke (150 km) in einem Auto ohne Klimaanlage (es war Hochsommer)!! Nein, das wollte und konnte Frauchen mir nicht zumuten. Sie forderte den TA dort auf, in meiner Haustierklinik anzurufen und die Therapie zu besprechen. Frauchen rief dann in der Haustierklinik an und hatte zum Glück den Chef dran, der eigentlich auch im Wochenende war und keinen Dienst hatte. Er kam um ca. 10:30 und spritzte mir Cortison. Dieser TA - Willi - schimpfte Frauchen ordentlich, denn er hatte ihr doch schon längst erklärt, daß bei mir nichts mehr zu machen sei. Der ganze Tag war schrecklich. Zwischendurch versuchte ich immer aufzustehen, schaffte es entweder gar nicht oder nur wenige Schritte. Willi hatte aber gemeint, ich käme schon wieder auf die Beine. Frauchen machte sie heftige Vorwürfe! Tagsüber kam mehrmals ein Bekannter von Frauchen und sie trugen mich nach draußen, damit ich mich lösen konnte. Es war einfach schrecklich, sich nicht in der Gewalt zu haben. Am Sonntag konnte ich zum Glück wieder laufen. Sehr wackelig, aber ich konnte einige Schritte gehen. Aber jetzt hatte ich Fieber. Frauchen rief Willi an. Er meinte, sie solle Antibiotika geben. Frauchen vergaß zu sagen, daß ich noch kein großes Geschäft erledigt hatte. Sie traute sich nicht, Willi ein drittes Mal aus dem Wochenende zu holen. Das war wieder ein Fehler. Denn sie gab mir kein Antibiotika, weil sie sich sagte, dass ich eh schon so vollgestopft mit Chemie sei und bei Verdauungsproblemen sei Antibiotika eher schädlich. Die Quittung dafür kam nachts. Ich bekam blutigen Durchfall. Alles war voller blutigem Kot: Die Terrasse, die Rampe. Frauchen war völlig aus dem Häuschen. Es war 22 Uhr. Sie rief Willi wieder an. Dieser flippte halb aus (verständlich, er hatte keinen Dienst), aber Frauchen wollte nicht zur diensthabenden Notärztin, die sie nicht kannte. Also ließ sich Willi abermals überreden und ich fuhr mit Frauchen in die Klinik. Abermals durfte sich Frauchen von Willi eine Rüge anhören, weil sie mir kein Antibiotika gegeben hat. Dieses bekam ich nun direkt in die Vene, ebenfalls ein blutgerinnendes Mittel. Zuhause mußte mich Frauchen an den Tropf hängen. Ich schlief dann die ganze Nacht, denn ich war fix und fertig. Frauchen lag die ganzen Nacht neben mir, das alte Herrchen kam alle 2 Stunden und weckte Frauchen (das hat mir Frauchen später erzählt). Zum Glück kam kein Blut mehr und mir ging es am nächsten Morgen im Vergleich recht gut.

Die nächsten Tage erholte ich mich und Frauchen war überglücklich. Sie hatte das ganze Wochenende fürchterlich Angst, mich zu verlieren. Es ist auch etwas zurückgeblieben. Ich laufe nach der Untersuchung wesentlich schlechter. Ganz habe ich mich also nicht vor dieser Geschichte erholt. Ich lief vorher schon sehr schlecht und jetzt kann ich nur noch wenige Minuten laufen und schanke dabei wie ein Schiff. Zwischendurch kippe ich um.

Frauchen hat es gut gemeint, aber diese Tierklinik hat sie nicht richtig aufgeklärt. Die Nebenwirkungen der Untersuchung sind nämlich gar nicht so selten und es kommt auch zu Todesfällen. Frauchen und auch ich finden diese Art mit Bedenken von Kunden umzugehen, einfach unmöglich. Bis heute hat sich der Arzt nicht bei uns gemeldet, obwohl er von seinen diensthabenden Ärzten vermutlich informiert wurde.Und das, obwohl der Klinikchef in höchsten Tönen lobend über unsere Rasse sprach und auch unsere HP durchstöbert hat und ganz begeistert war. Diese nutzlose bzw. schädliche Untersuchung hat knapp 500 Euro gekostet. Die Folgekosten durch die Wochenend-Notdienst-Behandlungen der Haustierklinik sind dabei gar nicht mitgerechnet und das überflüssige Leid für mich und meinem Frauchen darf auch nicht vergessen werden.

Ich rate Euch, daß Ihr eine solche Untersuchung gut überlegen solltet. Frauchen hat das ganze Wochenende gelitten, weil sie mich leiden sah und weil sie schuld war. Mir ging es schlecht und es hat nur geschadet.

Zu dem schlimmen Kummer mit Wilma, den Frauchen ja zeitgleich hatte, kam also noch das mit mir.

Frauchen meint, das Geld hätte sie besser in einen Rollwagen investiert. Sie will ihn mir aber dennoch kaufen. Mal gespannt, was das nun wieder ist....

August 2002